Was ein Geist mit dir und mit Weihnachten zu tun hatWeihnachtsgeschichte

 

Kennst du das, wenn dir ein Thema oder ein Stichwort über den Weg laufen, du es dir merken willst – für später, wenn du mehr Zeit hast – und es dann so häufig auftaucht, dass du dich schließlich dransetzt?
Mir geht es diese Woche so mit der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Okay, es ist fast Weihnachten, vielleicht taucht sie auch deshalb öfter mal auf… Trotzdem hatte ich heute das Gefühl, jetzt ist der richtige Zeitpunkt.

A Christmas Carol“ wurde schon viele Male verfilmt, unter anderem in einem Barbiefilm (den ich zwar gesehen, aber zu Beginn gar nicht mit Dickens in Verbindung gebracht habe…), mit Micky Maus, den Muppets und der Sesamstraße.

(Merkt man, dass ich ein Kind habe?)

Es gibt auch unzählige Versionen für Erwachsene, unter anderem „Die Geister, die ich rief“ mit Bill Murray oder auch als Musical am Broadway.

Erinnerst du dich an die Geschichte? Die Geschichte des alten Mannes Ebenezer Scrooge (=Geizhals), der Weihnachten (und das Leben und die Liebe) überhaupt nicht mag, während alle Menschen um ihn herum sich darauf freuen. Die Einladung seines Neffen lehnt er ab, und so findet er sich am Weihnachtsabend allein wieder – bis er von seinem früheren Geschäftspartner, der längst verstorben ist, aufgesucht wird. Dieser kündigt ihm den Besuch von drei Geistern an: dem Geist der Vergangenheit, dem Geist der Gegenwart und dem Geist der Zukunft.

Der Geist der Vergangenheit zeigt ihm Szenen aus seiner Kindheit, zum Teil längst vergessen. Der Geist der Gegenwart zeigt ihm, was seine Mitmenschen über ihn denken und seinetwegen erleben. Der Geist der Zukunft zeigt ihm schließlich, wie schlimm seine Zukunft wird, wenn er weiterhin so verbittert und menschenfeindlich vor sich hinlebt.

Dieser Geist öffnet ihm die Augen, Ebenezer möchte sich ändern und setzt sein Vorhaben gleich am nächsten Morgen um. Aus dem unsympathischen und unglücklichen Mann wird ein guter Mensch, das Weihnachtsfest ist gerettet und – alles wird gut.

Obwohl Dickens diese Geschichte schon 1843 veröffentlichte, ist der Inhalt zeitlos und damit immer aktuell.

A Martje carol

 

Bis vor ein paar Jahren wollte ich vor allem eins: gefallen. Ich habe mich vor Konflikten gescheut, seeehr selten Nein gesagt und immer gehofft, mit meinem angepassten Verhalten gefalle ich den Menschen um mich herum. So mögen sie mich.

Der Geist der Vergangenheit zeigt mir das ganz deutlich: immer wieder gab es Situationen, in denen ich meinen Mund nicht aufgemacht habe und etwas stillschweigend hingenommen habe, obwohl es mir nicht gefiel.

Um die Stimmung nicht zu versauen. Um möglichst unkompliziert und nett zu sein. Damit sie mich mögen. Damit ich gefalle.
War das dann auch der Fall? Äh… nein!

Aber der Geist der Vergangenheit reichte noch nicht aus, um mein Verhalten zu ändern.

Ecken_und_Kanten

Der Geist der Gegenwart zeigt, wie Menschen über mich denken und wie sie auf mich reagieren, wenn ich heute nicht sage, was ich denke. („Heute“ ist in diesem Fall der Zeitpunkt, an dem ich mein Verhalten erkannt und verändert habe)

Wie denken meine Mitmenschen über mich, wenn ich mich klein mache und mich nicht traue, meine Meinung zu sagen und meine Bedürfnisse zu vertreten. Finden sie mich gut und stark? Nein. Mögen sie mich deshalb? Nein. Natürlich nicht!

Der Geist zeigt mir auch, wie ich mich selbst dafür verachte, mich so klein und unbedeutend zu fühlen. Kein schönes Gefühl.

Der erste Zweifel an diesem Verhalten ist gesetzt. Ich komme ins Grübeln.

Dann kommt der Geist der Zukunft: wie wird es in der Zukunft sein, wenn ich mich weiterhin verstecke und meinen Mitmenschen keine Möglichkeit gebe, mich zu erkennen und zu verstehen? Wie finden sie mich?

Und wie sehe ich mich selbst? In der Zukunft bin ich eher am Ende meines Lebens, immer noch klein und nicht zu mir stehend. Wie frustrierend und wie traurig – will ich wirklich so leben und vor allem so sein?

Indem ich mir vor Augen halte, wie ich war, wie ich bin und wie ich sein werde, mit allen Auswirkungen und Konsequenzen und mit dem Wissen, dass alles in meiner Hand liegt, wird mir klar, dass ich etwas verändern möchte.

Schritt für Schritt, in meinem Tempo.

Was hat es gebracht? Ich sage dir, wenn ich etwas nicht mag, nicht machen möchte oder nicht gut finde.

Der Vorteil für dich? Du weißt, woran du bei mir bist und kannst selbst entscheiden, ob ich dir gefalle.

Der Vorteil für mich? Die Menschen, die in meinem Umfeld bleiben, mögen mich. Ich kann mir selbst in die Augen sehen und für mich einstehen. Ich gefalle nicht, obwohl ich meine Meinung sage, sondern ich gefalle, gerade WEIL ich mich zeige und meine Bedürfnisse ernst nehme.

DAS ist ein tolles Gefühl!

Gelingt es mir immer? Nein, noch nicht.

Sich zeigen zu können, ist ein Prozess. Für jemanden, der immer nur Positives zeigen wollte und alles „Störende“ versteckt hat, ist es sogar ein ziemlich intensiver Prozess.

Umso schöner, dass ich mich selbst beobachte und immer öfter feststelle: der Einsatz der Geister hat sich wirklich gelohnt!


Was kannst du daraus für dein Leben lernen?

 

Bestimmt hast auch du Verhaltensweisen oder innere Glaubensmuster, die immer wieder auftauchen und die du eigentlich gar nicht sooo toll findest.

Vielleicht kommst du immer wieder in Situationen, in denen du dich nicht so verhältst, wie du es dir wünschst.

Es kann sein, dass du jedes Mal, wenn du dich an den Computer setzt, um zu arbeiten, erstmal nur noch schnell was bei facebook gucken musst. Und schwupps ist eine Stunde um. Oder zwei.

Oder: obwohl du dich gesund ernähren möchtest, merkst du, dass du plötzlich wieder einen Haufen Schokolade gegegessen hast.

Oder: dich ärgert, dass dir immer im Nachhinein tolle Antworten einfallen – schlagfertig, witzig, geistreich – aber in den entsprechenden Situationen warst du still? Auf den Mund gefallen? Laaaangweilig?

facebook

Hinterher ärgerst du dich über dich selbst (und das macht es wirklich nicht besser) und gelobst Besserung. Um dich beim nächsten Mal wieder genauso zu verhalten.

Offensichtlich brauchst du da noch etwas mehr Schub, eine Unterstützung, die dich dazu bringt, dein Verhalten auch wirklich zu ändern.

Probiere mal diese Übung dazu aus:

Übung: deinen Geist finden

 

♦ Identifiziere das Verhalten (oder das Gedankenmuster), das dich stört und das du ändern möchtest.

♦ Lass die Nachteile spürbar werden, die dir das Verhalten in der Vergangenheit gebracht hat.

♦ Lass dir die Nachteile bewusst werden, die dir dein Verhalten in der Gegenwart bringt.

♦ Lass dir von dem Geist der Zukunft all die Nachteile aufzeigen und fühle dich richtig herein in diese Situation, wie es sein wird, wenn du so weitermachst wie bisher.

♦ Was wird dich dieses Verhalten in der Zukunft kosten?

geistig * spirituell * finanziell * emotional * gesundheitlich * allgemein

♦ Schreib dir diese Dinge ruhig auf und fühle in dich hinein, ob du wirklich so weitermachen möchtest.

♦ Und dann entscheide dich, wie deine Zukunft aussehen soll und fasse gegebenfalls einen entsprechenden Entschluss.

Fazit:

Charles Dickens rockt. Seine Idee, die was-wäre-wenn-Gedanken für deine eigenen Zwecke zu nutzen und dich damit voranzubringen, ist genial!

Mein Tipp: beobachte dich selbst und finde einige störende Verhaltensweisen oder Gedankenmuster, die dich mehr behindern, als dass sie dir helfen.

Mache die Übung für jeden einzelnen von diesen Punkten und schau einfach, was es mit dir macht.

Wenn du den Entschluss gefasst hast, etwas zu ändern, aber jetzt gerade nicht ganz weiter weißt (einen Motivationsschub oder effektive Veränderungsstrategien brauchst), dann melde dich bei mir. Gerade jetzt kannst du noch von meinem Einführungsangebot profitieren.

2016

Wenn du die Schritte allein durchlaufen und eine Veränderung erfolgreich durchgeführt hast UND uns davon erzählen möchtest, fände ich das richtig toll! Schreib mir in den Kommentaren!

Eine Weihnachtsgeschichte mal anders
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4 thoughts on “Eine Weihnachtsgeschichte mal anders

  • Hey Martje,

    das ist ja ein mega Artikel! :)

    Oh ja, die Schokolade, die man plötzlich doch gegessen hat.. *schuldig*

    Du hast recht, da hat Charles Dickens schon sehr früh eine geniale Methode beschrieben, die heute noch so angewendet wird!
    Ich geh jetzt darüber nachdenken, welches meiner Verhalten am dümmsten ist. 😀

    Vielen Dank und lieben Gruß! :)

    1. Hi Ronja,
      ich danke dir! :-)
      Vielleicht ist es auch nicht das dümmste Verhalten (in einem anderen Kontext ist gerade dieses Verhalten vielleicht genial?) sondern das, das dich gerade am meisten stört. Lieben Gruß an deine Geister…
      Martje

  • Hi Martje,

    du hast Recht: Dickens rockt, was-wäre-wenn ist ein sehr, sehr nützliches, praktisches und einfaches Tool. Ich wünschte, ich würde mich öfter im Jahr daran erinnern. Es gibt so Situationen, da merke ich, dass da jemand in mir agiert, der nicht ich bin bin. Wieder mal um des-lieben-Friedens willen angepasst, ja gesagt und nein gemeint. Und dann die Erfahrung, dass ich am besten rüberkomme, wenn ich so ganz ich bin. Ist auch leichter so… Vielen Dank für deinen schönen Artikel.

    PS: Deine Bilder finde ich entzückend und bin beeindruckt, wie einfache Bildsprache wirkt.
    PPS: Kannst du mir auch meine Falten wegmalen bitte ;o)

    1. Hallo Susan,
      vielen Dank für deine lieben Worte! Ich habe mir vorgenommen, öfter im Jahr an Dickens zu denken und ihn mir in diesen Situationen zu Hilfe zu nehmen. Denn meine Geister begleiten mich sowieso das ganze Jahr über 😉
      Ich freue mich total, dass dir die Bilder gefallen! An die Falten könnten wir auch gehen… die schwarzen Stifte sind allerdings wasserfest und da bin ich mir unsicher, ob das wirklich zum Vorteil für dich ist….
      Liebe Grüße
      Martje

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