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Was bist du?

Ein Mensch?

 

smart ladies ist kein politischer Blog und ich will hier auch keinen politischen Artikel verfassen. Ich möchte anregen zum Nachdenken darüber, ob ein wenig mehr Toleranz unser Leben nicht ein ganzes Stück weit verbessern könnte.

In den Medien und wahrscheinlich auch in deinem Umfeld, gibt es täglich neue Meldungen zu Flüchtlingen in Europa oder in Deutschland, oder sogar in deinem Stadtteil. Meldungen, die schockieren und die Gesellschaft spalten.

Auf Facebook lese ich täglich neue Threads, die so ziemlich jedes Mal direkt ausarten in Beschimpfungen und Hater-Kommentare. Anscheinend gibt es nur zwei Lager: die einen werden belächelt, die anderen als Nazis betitelt.

Die Stimmung ist so geladen, dass aus scheinbar harmlosen Kommentaren auszugsweise zitiert wird, so dass die eigentliche Botschaft gar nicht mehr erkennbar ist und der Schreiber sich über kurz oder lang in einem der zwei Lager wiederfindet.

Was treibt die Menschen dazu?

 

Ich hab das selbst nie erlebt, wie es sein muss, als Flüchtling.

Eine ältere Dame sagte neulich zu mir: die sollen da bleiben und ihr eigenes Land aufbauen, die können nicht alle herkommen.

Und ich sagte: in meiner Position (als alleinerziehende Mutter einer Tochter) traue ich mir nicht zu, ein Land zu verändern. Allein, mal eben so, ein ganzes Land.

Wäre allerdings das Leben meiner Tochter in Gefahr (ich denke da an Genitalverstümmelungen in Afrika oder Kindersoldaten) dann traue ich mir sehr wohl zu, mit meinem Kind zu flüchten und zu hoffen, dass wir irgendwo sicher leben könnten.

Wäre das dann so falsch? Meinem Kind eine Zukunft ohne Angst und Terror bieten zu wollen?


Wir leben hier in einem Land, das grundsätzlich für jeden alle Möglichkeiten bietet. Wer keinen Job findet, kann sich auf soziale Unterstützung verlassen. Das ist kein Leben im Reichtum, das ist mir schon klar, und auf spezielle Dinge muss man dann verzichten.
Da ist kein Geld für Kino und Ausgehen, für stylische Klamotten und vielleicht nicht mal für Klassenfahrten.

Aber es ist sicher. Kein Mensch muss hungern und kein Mensch muss um sein Leben fürchten.

Übrigens: es gibt hier sogar Familien, in denen beide Elternteile arbeiten und in denen trotzdem nicht das Geld für all diesen kleinen Luxus ist…

Und trotzdem, uns allen geht es gut.

Wie wäre es, ein klein wenig von dem Glück, das wir haben, indem wir hier geboren wurden, weiterzugeben?

 

Du musst nicht sechs Wochen Urlaub nehmen und Vollzeit in einem Flüchtlingscamp aushelfen.

Eine Freundin von mir kann nähen. Sie näht Deckchen für Babies im Rahmen dieses Projekts. Minidecki sagt:

Jedes Flüchtlingskind braucht eine eigene Kuscheldecke!

Eine andere Freundin von mir hat eine Patenfamilie in einem Flüchtlingslager. Sie unterrichtet die Eltern zweimal wöchentlich in deutsch und ihr Sohn spielt in der Zeit mit deren Kind. Dabei spielt ihre Qualifikation keine Rolle, du musst kein Lehrer sein, um Flüchtlingen beim Deutschlernen zu helfen.

Ich bin vor neun Jahren umgezogen und damals sind ein paar Kartons mit Klamotten direkt auf dem Dachboden gelandet. Und (ich gebs zu) einige Sachen passen mir nicht mehr. Diese Kleidungsstücke habe ich aussortiert und alles, was noch gut war, gespendet.

Das alles kostet kein Geld, sondern nur ein wenig Zeit.


Wenn du auch diese Zeit nicht aufwenden möchtest, kannst du immer noch eines tun: den Mund aufmachen!

Jedes Mal, wenn dir Ausländerfeindlichkeit im Alltag begegnet, kannst du deinen Mund aufmachen und den Menschen einen Denkanstoß in die richtige Richtung geben.

Damit meine ich nicht, den Hass und die Wut durch Vorwürfe weiter zu schüren. Sondern darlegen, wie die Situation ist und Verständnis wecken.

Ich glaube, kein Mensch wird als Wutmensch geboren. Alle haben etwas erlebt (oder gehört von jemandem, der es von jemandem gehört hat) das sie dazu bringt, sich so asozial* (Der Begriff asozial ist als Gegenbegriff zu „sozial“ gebildet) zu verhalten.

Manchmal ist es die fehlende Empathie und der Wille, sich in andere Menschen hinein zu versetzen. Manchmal ist es fehlende Toleranz. Manchmal ist es einfach nur, dass jemand (noch) nicht nachgedacht hat.

Diese Menschen kannst du zum Denken anregen, indem du freundlich darlegst, was gerade falsch läuft.

Das fängt bei den Flüchtlingen an und hört im täglichen Alltag auf. Oder andersrum.

Irgendwie geht es dann nicht mehr nur um Flüchtlinge und unsere Reaktionen und Gefühle. Es geht allgemein um das Miteinander. Zwischenmenschliche Beziehungen. Es geht um die kleinen Dinge im Alltag.

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Einen anderen Autofahrer nicht vor mir in die Spur zu lassen, weil ich auch schon so lange stehe.

Der älteren Dame nicht beim Aufsammeln ihrer heruntergefallenen Handtasche zu helfen. Ich habs eilig.

Über das Mißgeschick eines anderen lachen. Schadenfreude.

Die Menschen (nicht nur in Deutschland) kommen mir weniger empathisch vor. Zu oft steht die Frage „was ist dabei für mich drin?“

Das heißt nicht, dass du nicht auf dich achten sollst. Die eigenen Grenzen respektieren und auch nein sagen, wenn etwas gegen das eigene Wertesystem verstößt.

Es soll ganz einfach dazu aufrufen, das eigene Verhalten zu reflektieren und auch das deiner Mitmenschen. Die Augen zu öffnen, wenn jemandem Unrecht geschieht. Einzugreifen. Den Mund aufzumachen.

Menschlich zu sein. Mensch zu sein.

 

Darum geht es. Es gibt schon einige Initiativen von Prominenten und Nicht-Prominenten, die sich gegen den Hass und für ein gutes Miteinander einsetzen.

Sei ein Teil davon. Be smart!

 

Was bist du? Ein Mensch?
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6 thoughts on “Was bist du? Ein Mensch?

    1. Liebe Daniela,
      genau genommen hast du mich dazu inspiriert! :-) Dein Kommentar neulich hat mich zum Nachdenken gebracht. Darum: danke dir!
      Liebe Grüße
      Martje

  • Liebe Martje,
    ich glaube besser und souveräner kann man es nicht ausdrücken.
    Kaum einer möchte als unmenschlich gelten und doch verhalten wir uns oft so als wären wir keine. Jeder will etwas Großes bewegen, dabei reicht manchmal schon etwas Kleines um Großes zu vollbringen. Es ist nicht so sexy und attraktiv wie eine Millionenspende und man erregt kein großes Aufsehen. Wer aber „Herzensfreude“ spürt wird wissen, was ich meine, wenn ich behaupte: Nichts ist größer als das Gefühl in dankbare Augen zu schauen und Teil eines Lebens zu werden, welches uns die Welt vor die Füße legt und sei der Augenblick noch so winzig. Dafür muss ich die Sprache nicht beherrschen, ich kann fühlen und ich kann sehen. Das reicht. Es grüßt die Lilli (Elke)

    1. Liebe Nora,
      ich danke dir für diesen Kommentar! Je mehr wir sind, die menschlich denken, umso besser wird es!
      Alles Liebe,
      Martje

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