Ich bin echt nett. – Magst du mich jetzt?

ich-bin-echt-nettKannst du am Wochenende auf meine Kinder aufpassen?
Kannst du diese Zusatzaufgabe für mich übernehmen?
Kannst du mir helfen, meine Küche zu streichen?
Können wir uns heute treffen, ich muss dir was erzählen?

Eigentlich hast du am Wochenende ganz was anderes geplant, und gar keine Zeit, auf fremde Kinder aufzupassen.    Trotzdem sagst du ja.

Eigentlich hast du selbst noch jede Menge auf deiner To Do Liste stehen – trotzdem übernimmst du die Zusatzaufgabe für den lieben Kollegen.

Eigentlich könnte deine eigene Küche auch mal dringend einen neuen Anstrich vertragen… und trotzdem sagst du zu, deinem Freund zu helfen.

Eigentlich wolltest du heute Abend früh ins Bett gehen und dein spannendes Buch weiterlesen… und heute Abend findest du dich mit deiner Freundin beim Gespräch wieder.

Kennst du das? Fällt es dir auch manchmal so schwer, NEIN zu sagen und deine eigenen Bedürfnisse und Pläne zu beachten und stattdessen sagst du ständig JA zu den Anliegen deiner Mitmenschen?

Fühlst du dich dann übergangen und mißachtet und ärgerst dich vielleicht noch über dich selbst?

Eigentlich wäre es doch ein Leichtes, einfach nein zu sagen. Vier kleine Buchstaben.

nein_sagen

Warum fällt es uns dann so schwer?

 


Grundsätzlich fällt es manchen Menschen einfach leichter, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören und diese auch stark zu vertreten. Andere müssen dies vielleicht erst lernen.
Nein sagen ist auch eine Frage des Selbstwertgefühls. Wo setze ich die Prioritäten? Bis wohin kann ich mich einbringen, ohne mich selbst dabei zu verlieren?

Aber auch unsere Erfahrungen spielen dabei eine ganz große Rolle. Schon als Kinder lernen wir, dass ein nein zu Mama (ich will mein Zimmer aber nicht aufräumen) negative Konsequenzen hat. Die Folge: wir versuchen zu gefallen und sagen irgendwann ja.

Als Erwachsene hinterfragen wir unsere Verhaltensweisen nicht mehr und übernehmen die Haltung, dass ja der vermeintlich einfachere Weg ist.

Bis zu dem Punkt, an dem wir merken: mit dieser Entscheidung geht es mir nicht gut. Ich will eigentlich gar nicht x helfen, sondern viel lieber y machen. Warum hab ich eigentlich nicht nein gesagt?

Und möglicherweise analysieren wir dann unsere Gründe.

Was ist die Angst dahinter?

 

1. Es gibt die Angst, nicht mehr gemocht oder weniger gemocht zu werden. Als Kinder haben wir das öfter erlebt: entweder du spielst mein Spiel mit, oder du bist nicht mehr meine Freundin.

Als Erwachsene kannst du dir einen besseren Überblick verschaffen. Menschen, die dich nur mögen, weil du immer hilfsbereit bist, aber nicht um deiner Selbst Willen, mögen dich eigentlich nicht richtig. Möchtest du diese Menschen wirklich in deinem inneren Umfeld haben?

2. Die Angst vor einem Konflikt. Menschen reagieren unterschiedlich, wenn man Ihnen eine Bitte abschlägt. Manche erkennen deine freie Meinung an, andere nehmen es dir übel und es kann dadurch natürlich auch ein Streit entstehen.

Versuche abzuschätzen, welche Reaktionen wirklich eintreten können – und was realistisch ist.

3. Die Angst, für egoistisch gehalten zu werden. Bei einem Nein und der Ablehnung einer Bitte, kann es natürlich vorkommen, dass jemand dir vorwirft, nur an dich selbst zu denken und egoistisch zu sein.

Stell dir dann die Frage: bist du egoistisch? Indem du darüber nachdenkst, zeigst du schon, du bist es nicht! Du achtest einfach nur auf dich selbst – denn nur wenn es dir gut geht, kannst du auch anderen helfen.

 4. Die Angst, nicht gebraucht zu werden. Auch das ist eine weit verbreitete Angst. Wenn ich immer absage, fragt mich irgendwann auch keiner mehr.

 Ist das wirklich so? Fragt dich nur keiner mehr, ob du helfen kannst, oder fragt dich niemand mehr nach einer Verabredung, lädt dich niemand mehr ein etc? Wenn du sowieso nur zum helfen gebeten wurdest – siehe Punkt 1.

pro_contra

Sehen wir uns einmal an, was ja und nein für jeweilige Vor- und Nachteile bringen.

 

Die Nachteile des nicht nein-sagens sind klar. Wir haben weniger Zeit für uns, erledigen Dinge, die uns keinen Spaß machen oder Nutzen bringen, kaufen eventuell sogar Dinge, die wir gar nicht brauchen und ärgern uns dann noch darüber, dass wir -wieder- nicht nein gesagt haben.

Vorteil: Vielleicht können wir uns das Ganze schönreden und uns gut und hilfsbereit fühlen. Und hoffen, der andere mag uns dann lieber. Wir können die Verantwortung für unser Leben bequem an die anderen abgeben und ihm hinterher noch aufs Brot schmieren, wieviel wir schon für ihn getan haben.

Die Nachteile des nein-sagens sind eventuelle Konsequenzen aus unserem Verhalten, Ablehnung, Konflikte, Vorwürfe. Die Verantwortung für mein Leben muss ich selbst tragen.

Die Vorteile – genial: mehr Zeit und mehr Freiraum für mich selbst, das gute Gefühl, auf mich gehört zu haben und authentisch und mit mir im Reinen zu sein. Anerkennung, dass ich nicht alles mit mir machen lasse. Ein höherer Wert für dein ja, denn das ist nicht (mehr) selbstverständlich. Die Verantwortung für mein Leben darf ich selbst tragen.

Dies ist kein Aufruf, immer und zu jedem nein zu sagen!

 

Dies ist nur eine kleine Anregung, vor einer Antwort einmal mehr zu überlegen, ob du wirklich ja oder nein sagen möchtest. Und das dann auch zu tun!

Wie machst du das am besten?

  1. Lass dich nicht überrumpeln und zu einer Antwort drängen

Häufig sagen wir ja, weil der andere sofort eine Antwort erwartet. Nimm dir ruhig die Zeit, die du brauchst und sag das auch ruhig. Dann überleg kurz, wieviel Zeit du dafür brauchst (und ob du diese Zeit übrig hast), ob du Lust hast, diese Aufgabe zu übernehmen und wer fragt dich da gerade überhaupt – möchtest du dieser Person helfen?

  1. Setze deine Prioritäten

Wenn du deine Werte kennst und daraus deine Prioritäten ableiten kannst, fällt es dir leichter, abzuwägen, ob diese bestimmte Bitte zu deinen Werten passt. Denk daran, jedes nein zu etwas, das nicht übereinstimmt, ist ein ja zu dir und deinen Werten.

  1. Überlege dir den Preis für deine Hilfe – was kostet es dich? Ist es das wert?

Sei es Zeit, sei es eine Tätigkeit, die dir keine Freude bereitet – was kostet dich die Ausführung dieser Aufgabe. Wie fühlst du dich dabei? Lohnt es sich für dich?

  1. Lass dich nicht durch ein Lob blenden

Manche Bittsteller versuchen, ihr Ziel durch ein Lob zu erreichen. Du kannst das doch sooo gut… kennst du das? Und schon bist du in der Falle.

Versuch, das zu ignorieren, dich davon nicht beeinflussen zu lassen und entscheide anhand der Fakten.

  1. Setze deine Grenzen und halte dich daran

Wenn du deine Prioritäten gesetzt hast und weißt, wo deine Grenzen liegen – halte dich unbedingt daran. So bleibst du authentisch und bei dir selbst. Du wirst merken, wie gut sich das anfühlt!

  1. Nein“ ist ein kompletter Satz und bedarf keiner Rechtfertigung

Du bist niemandem Rechenschaft darüber schuldig, warum du jetzt gerade ablehnst. Trotzdem ist es durchaus beziehungsfreundlicher, einen Grund zu liefern, so dass dein Gegenüber dich verstehen kann und die Ablehnung nicht gegen seine Person empfindet, sondern eben nur gegen seine Bitte.

  1. Akzeptiere selbst auch ein nein der anderen

Wie sieht es aus, wenn du jemanden um einen Gefallen bittest und dieser nein sagt? Nimmst du es ihm übel? Magst du ihn nicht mehr? Findest du ja-Sager generell netter? Oder akzeptierst du seine Haltung? Wenn du anderen ein nein erlaubst, erlauben sie es dir mit Sicherheit auch.

  1. Übe in kleinen Schritten

Du musst nicht gleich groß anfangen, sondern übe einfach in kleinen Schritten. Übung macht auch hier den Meister :-)

  1. Belohne dich für alle (kleinen) Erfolge

Du hast heute schon nein gesagt? Super! Klopf dir auf die Schulter und freu dich! Gönn dir vielleicht eine Kleinigkeit, du bist auf dem richtigen Weg! Und wenn es noch nicht klappt, keine Sorge. Beim nächsten Mal bist du besser vorbereitet!

  1. Wenn du ein bißchen charmanter nein sagen möchtest und weitere Tipps hören möchtest, empfehle ich dir den Podcast von Andrea Giesler http://www.andreagiesler.de/folge8 . In dieser Folge ist Birgit Gatter zu Gast und gibt weitere wertvolle Tipps.

Nein-Sagen

Nun zu dir: in welchen Situationen fällt es dir besonders schwer, nein zu sagen und was hast du noch für Tipps für uns? Schreib mir in den Kommentaren!

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Ich bin echt nett. – Magst du mich jetzt?
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