people-apple-iphone-writing2Existenzgründung und Business sind längst keine Männerdomäne mehr. Glücklicherweise gibt es heute viele Frauen, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen – und erfolgreich sind.

Genauso wie Männer? Nein. Anders.

Benjamin Michels schreibt über die Unterschiede.

Warum Frauen anders in die Selbstständigkeit starten als Männer

 

Menschen sind so unterschiedlich, wie sie vielzählig sind. Dazu gehört nun einmal auch, dass es (schon rein physisch) einen Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt. In meiner täglichen Arbeit als Gründercoach, bemerke ich diesen Unterschied aber ebenfalls. Denn auch wenn sich mein Angebot als Coach an beiderlei Geschlecht richtet, sind dennoch der überwiegende Teil der Menschen, die ich in und während der Existenzgründung begleite, Frauen.

Spannend für mich daran ist nun, einmal zu schauen, wo sich, meiner Beobachtung nach, die weiblichen von männlichen Existenzgründern unterscheiden. Und damit meine ich nicht das, was diverse Statistiken ausdrücken und widergeben möchten, sondern das, was ich in meiner täglichen Praxis erlebe. Übrigens lässt dieses nicht automatisch einen Rückschluss über Erfolg und Misserfolg zu. Ich kann nicht sagen, dass Frauen erfolgreicher gründen als Männer oder umgekehrt. Mir ist nur aufgefallen, dass es bei der Art und Weise die Gründung anzugehen, Unterschiede gibt. Im Grunde sind es zwei unterschiedliche Wege, die beide ans Ziel führen.

Einen Begleiter haben

 

Die Frauen, die ich bisher in ihr eigenes Unternehmen begleitet habe, waren stark, hatten gute Ideen und standen mit beiden Beinen fest im Leben. Trotzdem verfügten sie über Zweifel und davon nicht zu wenig. Bei den Gründerinnen, die ich erlebe, sind Selbstzweifel, Angst vor dem Scheitern und vor allem die Angst vor Wissenslücken sehr stark ausgeprägt. Nicht ohne Grund habe ich den Online-Kurs Selbstzweifel in der Existenzgründung überwinden entwickelt.

Ich sehe vor allem eine große innere Unsicherheit als Ursache für diese Ängste. Ob diese Unsicherheit durch eine gesellschaftliche Prägung entstanden ist oder ob sie grundsätzlich geschlechterspezifisch ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich sehe nur, dass es sie gibt. Auch meine männlichen Kunden tragen eine gewisse Unsicherheit in sich. Doch wird diese zumeist durch ein (scheinbar) unerschütterliches Selbstvertrauen überdeckt.

So habe ich über die Zeit festgestellt, dass meine Kundinnen vor allem auf der Suche nach einem Begleiter sind: Jemand mit viel Erfahrung, der sie vor Fehlentscheidungen schützt und ihnen hilft, wenn sie feststecken. Natürlich könnte man dieses nun so deuten, dass der Wunsch nach einem Gründercoach vor allem aus den Ängsten und Sorgen der Frauen entspringt. Dieses ist eine Möglichkeit. Doch die zweite Deutungsmöglichkeit finde ich viel spannender:

Frauen haben ein besseres Risikomanagement

 

Es gibt unterschiedliche Studien zu diesem Thema. Allgemein lässt sich aber erst einmal festhalten, dass Existenzgründer, egal ob männliche oder weibliche, aberwitzige Risiken eingehen, die sie meist vorher nicht mal ansatzweise vollständig überblicken können. Die viel sicherere Variante wäre es nämlich, einfach gar nicht erst zu gründen! Trotzdem gibt es (zum Glück) jede Menge Existenzgründer. Innerhalb dieser großen Gruppe der Existenzgründer/innen lassen sich aber Risikoabstufungen finden.

Bei männlichen Gründern erlebte und erlebe ich oft große Luftschlösser und Träume sowie eine hohe Risikobereitschaft. Bei den weiblichen Gründern hingegen wird fast immer mit kleineren Brötchen gebacken und es werden deutlich geringere Risiken eingegangen. Das lässt den Rückschluss zu, dass Frauen in der Regel über ein besseres Risikomanagement verfügen. Denn nicht immer gilt: nur wer wagt, gewinnt. Eine Existenzgründung an sich ist schon eine Hochrisikoentscheidung. Dabei muss nicht auch noch jede einzelne Entscheidung mit zusätzlich Risiken belegt sein. Natürlich stimmt es schon, dass bei mehr Einsatz die Möglichkeit besteht, am Ende auch mehr raus zu bekommen. Doch auch das Risiko steigt mit größerem Einsatz.

Am Ende hängt alles von den Zielen ab, die sich ein Gründer (egal ob männlich oder weiblich) setzt. Denn die eigenen Ziele bilden die Grundlage für die eigene Risikobereitschaft. Möchte ich innerhalb kürzester Zeit große Umsätze erzielen, so muss ich das dafür entsprechende Risiko eingehen. Möchte ich hingegen und nur einen kleinen, monatlichen Betrag als Nebenverdienst erreichen, sind oft keine großen Risiken notwendig. Es beginnt also damit, sich die eigenen Ziele zu setzen und sich selbst bewusst zu werden, was es (nicht nur finanziell) kostet, diese Ziele zu erreichen.

Denken Frauen weiter?

 

Nicht nur bei der Existenzgründung, sondern auch bei der Unternehmensführung sind strategische Entscheidungen von großer Bedeutung. Strategie bedeutet immer, das große Ganze im Blick zu haben. Gerade am Anfang kann das recht schwierig sein. Um an den von mir genannten, vorausgehenden Punkt anzuknüpfen, könnte man die Entscheidung für eine Existenzgründungsbegleitung nun als relevante, strategische Entscheidung betrachten. Denn den kurzfristigen Mehrkosten eines Gründercoaches, steht natürlich ein langfristiger Nutzen gegenüber. Ein Nutzen, der sich im besten Fall sogar durch einen Mehrumsatz ausdrücken lässt. Hier steht ganz stark der Gedanke im Vordergrund:

„Wenn ich alleine gründe, kann ich X erreichen. Wenn ich mich vom Coach begleiten lasse, kann ich Y erreichen. Lohnt sich das?“.

Diese Überlegung ist eindeutig strategischer Natur und zeigt ein sehr reflektiertes Bild von sich selbst und der eigenen Gründungssituation. Die Vermutung liegt nahe, dass die Gründerinnen, also zumindest die, die ich begleitet habe, weiter denken als manch anderer ihrer männlichen Gründerkollegen. Ob das allerdings wirklich geschlechterspezifisch ist, wage ich zu bezweifeln. Viel eher würde ich das als Ergebnis der Erziehung in Betracht ziehen. Vielleicht werden Mädchen zu mehr Weitsicht und dem stärkeren Bewusstsein für die Folgen des eigenen Handels erzogen, während Jungen hingegen die starke Selbstdarstellung und den Glauben an sich selbst anerzogen bekommen. Ob das wirklich so ist oder am Ende nur (m)eine Vermutung bleibt, kann ich nicht sagen. Doch würde es das, was ich täglich erlebe, recht gut erklären.

 

Startup Stock Photos

Ich gründe mit Frauen

 

Ich habe mittlerweile mehrere Unternehmen in meinem Leben hochgezogen (inzwischen sind es sieben). Ich habe alleine, aber auch mit Firmenpartnern, männlichen wie weiblichen, gegründet. Ich bin in ganz unterschiedliche Projekte involviert, nichts davon war immer einfach und hat komplikationslos geklappt. Doch eines kann ich mittlerweile feststellen: Der Großteil meiner Gründungspartner sind Frauen. Mir selbst war das bis vor kurzem gar nicht bewusst. Erst als ich mich mit der Frage beschäftigt habe, mit wem ich als nächstes gründen werde, ist mir das aufgefallen. Selbstverständlich habe ich mich dann auch gefragt, warum das so ist.

Ich, für mich, kann heute sagen, dass ich die Arbeit mit weiblichen Partnern gegenüber männlichen stark bevorzuge. Meine weiblichen Geschäftspartner sind echte Profis in ihrem Fachgebiet. Sie erbringen unheimlich starke Leistungen und wollen auch die besten sein. Es macht mir unheimlich viel Spaß und gibt mir Motivation, mit solchen Profis zusammen zu arbeiten. Menschen, die dazu auch noch unheimlich an ihre Ideen glauben. Ich liefere in der Regel den betriebswirtschaftlichen Part sowie alles zum Thema Marketing und Strategie. Ich befinde mich mit meinen Partnerinnen dauerhaft in einer positiven Kooperation. Wir gehen niemals in den kompetitiven Modus über und vergleichen stumpf unsere Ergebnisse. Es ist in jedem Fall eine unheimlich wertschätzende Zusammenarbeit, die in jedem Bereich ihre Früchte trägt.

Ist das Fazit für Männer anders als für Frauen?

 

Mit diesem Beitrag habe ich das angesprochen, was eigentlich allen klar ist: Es gibt einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Punkt. Hat dieser Unterschied Auswirkungen auf den Erfolg? Nein, auf keinen Fall. Er verändert nur den Weg, den ein Unternehmen bis zum Erfolg (und danach) geht. Das ist weder etwas Gutes, noch etwas Schlechtes. Es bereichert nur die Gründungslandschaft.

Ich, für meinen Teil, kann sagen, dass ich mittlerweile aus der positiven Erfahrung heraus, viel lieber mit Frauen zusammen gründe – denn bisher haben wir damit schon wirklich tolle Projekte aus dem Boden gestampft.

Wer schreibt hier eigentlich

 

BenjaminMichelsBenjamin Michels hat mit 15 Jahren sein erstes von bisher sieben Unternehmen gegründet – vier davon mit Partnerinnen. Er ist erfolgreicher Sachbuchautor für Existenzgründer/innen. Auf seinem Blog www.seriale-entrepreneurship.de bietet er jede Menge Hilfestellungen und Kurse rund um Existenzgründung an.

Warum Frauen anders in die Selbstständigkeit starten als Männer
Tagged on:                 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *